Liebe Freunde und Förderer von Hui-a khoe,
Weihnachten steht vor der Tür und es ist an der Zeit, innezuhalten und zurück zu blicken auf das nun fast vergangene Jahr:
Für uns in Namibia als auch für Hui-a khoe Deutschland war es ein Jahr, in dem wir sehr viel erreicht haben:
Unser Hauptaugenmerk ist die Hilfe zu Selbsthilfe, d.h. wir versuchen möglichst vielen Ju/’hoansi Buschleuten in Nyae Nyae die Möglichkeit zu geben, sich ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen.
Momentan geschieht das fast ausschließlich durch die Herstellung von Schmuck aus Straußeneiern, den wir den Buschleuten abnehmen und dann weiterverkaufen.
Wir waren 2009 in der Lage, den Umfang des Schmuckverkaufes so weit auszubauen, daß etwa 100 Frauen sich und ihre Familien durch die Schmuckherstellung ernähren können. Das ist ein schöner Erfolg, über den wir uns sehr freuen!!!
Wir haben in Nyae Nyae zwei junge Männer, Ka’qece und ≠oma, die fest bei Hui-a khoe angestellt sind und bei denen die Frauen ihren Schmuck gegen Lebensmittel eintauschen können. Die beiden sind in Baraka, einem Dorf im Osten Nyae Nyaes; dort haben wir einen Container, in dem die Lebensmittel gelagert werden und zu dem die Buschleute aus einem Umkreis von etwa 20 km zum Tauschen kommen.
Durch Spenden war es uns möglich, einen zweiten Container zu kaufen, der in Tsumkwe aufgestellt werden soll, damit zukünftig auch dort Lebensmittel erhältlich sind.
Regelmäßige Spenden haben es uns ermöglicht, die Versorgung von Saries Kindern sicherzustellen. Sarie war eine der ersten Frauen, die über Hui-a khoe Schmuck verkauft hat und ist im Dezember 2008 gestorben, nachdem sie von ihrem betrunkenen Mann verprügelt wurde. Bedingt durch das Desinteresse der Polizei in Tsumkwe ist ihr Mann nie verurteilt worden und läuft frei herum.
Nach einigem Hin und Her leben Saries Kinder nun bei ihrer Großmutter in ≠o'tcaqkxai, einem Dorf im Norden von Nyae Nyae. ≠o'tcaqkxai ist eines der größeren Dörfer in Nyae Nyae, hat eine eigene Village School und eine ziemlich intakte Dorfgemeinschaft – vermutlich aufgrund der abgelegenen Lage.
Die Kinder haben sich dort sehr gut eingelebt und ich bin froh, daß sie so weit entfernt von Tsumkwe (40 km) und ihrem Vater ohne den Einfluß von Shebeens (meist nicht legale Bars, in denen Alkohol verkauft wird) im Kreise von Saries Familie (neben der Großmutter leben noch einige Tanten und Großtanten in ≠o'tcaqkxai) ein neues Zuhause gefunden haben.
Weitere regelmäßige Spenden verwenden wir zur Unterstützung der Village School in Baraka. In den Village Schools werden Kinder bis einschließlich zum dritten Schuljahr in ihrer Muttersprache in den Dörfern unterrichtet.
Leider ist die Versorgungslage was Unterrichtsmaterial und Lebensmittel angeht, meist katastrophal und häufig reicht es gerade für eine Portion Maismehl am Tag. (Viele Kinder müssen im Nachbardorf zur Schule gehen und schlafen dort auch, daher werden die Kinder mittags in der Schule bekocht.) Durch die Spendengelder ist es uns möglich, den Speiseplan der Schule in Baraka zu verbessern und vor allem eine Versorgung der Kinder mit proteinreichen Nahrungsmitteln zu ermöglichen.
Obwohl wir in relativ kurzer Zeit soviel positive Veränderung geschafft haben, sind die Probleme in Nyae Nyae nach wie vor überwältigend:
Nach wie vor lebt der größte Teil der Ju/’hoansi in unbeschreiblicher materieller Armut; Arbeitsplätze gibt es so gut wie keine.
In Tsumkwe –dem einzigen kleinen Ort in Nyae Nyae, der auch Sitz der Regionalverwaltung ist- leben mehr Kavango, Ovambo und Herero als Buschleute. Das führt dazu, daß kaum Buschmannkinder dort zur Schule gehen (sie werden zu sehr „untergebuttert“ und laufen dann weg) und es letztendlich kaum Kinder gibt, die mehr als drei Jahre zur Schule gegangen sind.Tsumkwe ist voller Shebeens, wo eine große Anzahl Buschleute die Rente ihrer älteren Verwandten (in Namibia bekommt jeder über 60jährige vom Staat eine kleine Rente ausbezahlt) versäuft; zu den schlimmsten Folgen gehören Hunger, häusliche Gewalt und der völlige Verlust ihrer Würde.
So verdienen sich die anderen Volksstämme an den Ju/’hoansi eine „goldene Nase“; außerdem findet man immer wieder vor allem Männer, die von den Kavangos und Ovambos für etwas billigen Fusel als Arbeitskräfte „gehalten“ werden.
Diese traurige Situation ist aber von außen nicht zu ändern; so lange die Buschleute die anderen Stämme durch ihre Anfälligkeit für Alkohol finanzieren, lassen die es sich in Tsumkwe gut gehen und werden den Ort auch nicht verlassen.
Die durchschnittliche Lebenserwartung ist die niedrigste in ganz Namibia und liegt bei 35 Jahren; vor allem die Sterblichkeitsrate bei Kindern unter fünf Jahren ist wahnsinnig hoch. Gründe hierfür sind vor allem Durchfallerkrankungen, Mangelernährung, Infektionen und Tuberkulose.
Dank eines großzügigen Spenders stehen uns im nächsten Jahr € 10 000,- für den Ankauf von Medikamenten und deren Verteilung zur Verfügung und wir hoffen sehr, damit etwas helfen zu können!
Sowohl der Vorstand von Hui-a khoe Deutschland als auch wir hier in Namibia sind bemüht, den Verkauf von Schmuck auszuweiten, damit noch mehr Frauen die Möglichkeit erhalten, sich und ihre Familien zu versorgen und sich so eine Lebensgrundlage zu schaffen.
Da einige „unserer“ Dörfer sehr abgelegen sind, wollen wir kleine Blechhütten in den Dörfern aufstellen, um dort Lebensmittel lagern und vor Ort verteilen zu können. Hierfür wollen wir die bisher eingegangenen und zukünftige Spenden verwenden.
Im Namen der Ju/hoansi Buschleute aus Nyae Nyae danke ich nun allen unter Euch / Ihnen, die uns durch ihre Hilfe und Mitarbeit, durch den Kauf oder Verkauf von Schmuck oder durch Spenden unterstützt haben ganz herzlich! Ohne Eure / Ihre Hilfe und Unterstützung wäre unsere Arbeit nicht möglich und wir sind dafür sehr dankbar!
Mit vielen Grüßen,
Ina Cramer
Hui-a khoe Foundation
Hier ein kleiner Überblick über das, was in Namibia bei und rund um Hui-a khoe 2009 alles passiert ist:
Das Jahr fing in Nyae Nyae mit viel Regen an: Sowohl im Januar als auch im Februar und März fielen große Mengen Regen und meine Besuche in den Dörfern wurden immer zu mehr oder weniger großen Schlammschlachten. Die Wege waren oft kaum noch befahrbar und mehr als einmal war ich froh, nicht irgendwo Mitten im Busch stecken geblieben zu sein.
Die gute Regenzeit ließ in ganz Nyae Nyae das Gras wachsen und so war genug Nahrung für das Wild und die wenigen Haustiere wie Schafe und Rinder vorhanden. Bedingt durch die vielen Pfannen, in denen während und nach einer guten Regenzeit viel Oberflächenwasser steht und die damit ideale Brutplätze für Moskitos sind, bricht manchmal Malaria aus. Zum Glück passierte dies in diesem Jahr aber nicht und die Ju/’hoansi Buschleute blieben von Malaria verschont.
Während des ersten Quartals war Anne Schulze Lammers aus Deutschland als Praktikantin bei Hui-a khoe und hat sich vor allem um unser Marketing gekümmert: Sie hat einen neuen, äußerlich sehr ansprechenden Produktkatalog erstellt, das Design für unsere neue Webseite gestaltet und es geschafft, unseren Schmuck in die Zeitschrift „Brigitte“ zu bringen!
Die Aufmerksamkeit und die Vielzahl an Bestellungen, die wir durch die Brigitte erhielten, waren schier unglaublich und haben uns förmlich umgehauen. Die Frauen kamen mit der Schmuckproduktion kaum noch nach – mit so einem großen Erfolg hatten wir nicht gerechnet!
Auf der anderen Seite haben uns die vielen Bestellungen aber auch unsere Grenzen und die Schwachstellen in unserem System gezeigt: Es ist letztendlich wahnsinnig schwierig bzw. eigentlich unmöglich, die Frauen nach bestimmten, sehr genauen Vorgaben arbeiten zu lassen; in wenigstens 50 % der Fälle weicht das Ergebnis von der Bestellung ab.
Nachdem die letzten Bestellungen vor Weihnachten abgehandelt sind, wird der Vorstand von Hui-a khoe Deutschland die ruhigere Zeit nach den Feiertagen nun zu einer Bestandsaufnahme nutzen und ein Programm zur Lagerverwaltung implementieren. So werden wir dann ab Januar nur noch Schmuck auf der Internetseite anbieten, der in Deutschland vorrätig und somit direkt lieferbar ist.
Im Mai kam für die Buschleute in Nyae Nyae der große Schreck in Form einiger Hererofamilien, die von Süden kommend den Veterinärzaun zwischen dem Hereroland und Nyae Nyae zerschnitten hatten und mit über 1000 Rindern, -zig Ziegen und einigen Pferden und Eseln ins Buschmannland eingedrungen sind.
Viele der Männer waren bewaffnet und behaupteten, Nyae Nyae sei ihr Land, da sie hier während der deutschen Kolonialzeit einige Vorfahren begraben hätten.
Ein Eilantrag der Nyae Nyae Development Foundation beim Obergericht half zum Glück schnell und die Rindebesitzer wurden nach etwa zwei Wochen festgenommen.
Die Rinderbesitzer wurden auf Kaution frei gelassen, ihre Rinder allerdings vom Staat konfisziert und ein Gerichtsverfahren eingeleitet.
Dieser Fall von illegalem Eindringen der Herero ins Buschmannland bedeutete für beide Seiten aber weit mehr als nur ungesetzliche Landnahme; die Herero haben damit einmal mehr deutlich gemacht, wie wenig sie die San -die in ihrer Sprache weder zur Gruppe der Menschen noch Tiere gehören, sondern eine Sache sind- achten. Mehrer Buschmänner erzählten mir, daß die Herero, die durch ihre Dörfer zogen (sie kamen nicht etwa still und leise, sondern mit der größten Selbstverständlichkeit), sie beschimpften und ihnen drohten.
Statt auf ihr Recht zu pochen und sich zu wehren, haben die Buschleute sich –wie schon so häufig- zurück gezogen. Ich habe sie gefragt, warum sie nicht einfach ein paar Rinder mit Giftpfeilen erschießen würden, aber dazu hatten sie zu sehr Angst vor den Herero und meinten zudem, diese würden sie verzaubern.
Während der zweiten Jahreshälfte haben wir vor allem in einigen Dörfern Kurse angeboten, in denen den Frauen die Details der Schmuckherstellung besonders bezüglich der Qualität gezeigt wurden.
Und ein Blick auf die Arbeit von Hui-a khoe in Deutschland:
In Deutschland wurde die Arbeit an unserem Projekt insbesondere durch 2 Bereiche geprägt:
Zum einen ging es darum, den schönen Schmuck der Buschleute zu vermarkten. Dabei nahm der Internetverkauf des Schmucks bedingt durch die große Resonanz aufgrund des kleinen Artikels in der „Brigitte“ den größten Stellenanteil in unserer Projektarbeit ein. Wir waren auf den enormen Ansturm von Bestellungen aus ganz Deutschland und auch aus dem angrenzenden europäischen Ausland nicht eingerichtet und so mussten manche Bestellerinnen lange Wartezeiten in Kauf nehmen, bis sie ihre wunderschönen Schmuckstücke endlich in die Hand nehmen konnten.
Deshalb von dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön für Ihre große Geduld mit uns. Wir hoffen, dass die Freude an dem Schmuck der Buschleute bei Ihnen auch zukünftig zu einer Unterstützung unseres Projekts beiträgt.
Neben dem Internetverkauf fand Hui-a khoe Deutschland auf verschiedenen Märkten im Großraum Soest viele Freunde mit großem Interesse für das Selbsthilfeprojekt und den Schmuck der Buschleute. Besonders sollen hier der Bauernmarkt auf Haus Düsse in Bad Sassendorf-Ostinghausen sowie der Weihnachtsmarkt im mittelalterlichen Stadtkern von Soest erwähnt werden. Desweiteren dürfen wir regelmäßig alle 5 Wochen in der Rehaklinik in Möhnesee-Körbecke zu Gast sein und unseren Schmuck anbieten.
All unsere Aktivitäten führten dazu, dass Hui-a khoe Deutschland in 2009 einen fünfstelligen Eurobetrag an die namibische Stiftung überweisen konnte.
Der weitere Schwerpunkt unserer Arbeit in Deutschland bestand darin, Vereinsmitglieder, Ehrenamtliche, Freunde und Förderer für Hui-a khoe zu gewinnen und das Projekt bekannt zu machen. Mit einem sehr aktiven Vorstand sehen wir uns dabei auf einem guten Weg und unsere Aktivitäten auf den verschiedensten Märkten wären ohne die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer nicht möglich gewesen. So möchten wir auch von dieser Stelle aus unseren Vereinsmitgliedern, Ehrenamtlichen, Förderern, Freunden und Gönnern, Schülerinnen und Schülern mit ihren Lehrern sehr für Ihre vielfältige Hilfe und Unterstützung ganz herzlich danken! Bleiben Sie uns und unserem Projekt auch in 2010 treu!
Hui-a khoe – Gegenseitige Hilfe e.V.
Püttstr. 8a, 59494 Soest-Hiddingsen
Tel. 0175 75 20 355
0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen